Transparenz schafft Vertrauen

Die Stiftung Warentest nahm Tierschutz- und Umweltverbände unter die Lupe

Für die jüngste Ausgabe ihres Magazins „Test“ (12/2013) hat die Stiftung Warentest neben Elektrorasierern, Nussschokolade und Holzspielzeug auch Tier- und Umweltschutzorganisationen geprüft. Der Zeitpunkt ist natürlich kein Zufall, denn in der Vorweihnachtszeit überlegen viele Menschen, wem sie denn möglicherweise etwas spenden möchten. Der Test soll hierzu Orientierung geben.

Der NABU ist seit mehr als 110 Jahren für Natur und Mensch aktiv und mit mehr als 520.000 Mitgliedern und Förderern die mitgliederstärkste deutsche Umweltorganisation. Den Vergleich mit anderen brauchen wir also nicht zu scheuen. Es war deshalb selbstverständlich, dass der NABU sich an dem Test aktiv beteiligt. Das sahen nicht alle der von der Stiftung Warentest angefragten Organisationen so: 19 von 46 verweigerten sich, sagten ab oder reagierten auch auf mehrfache Nachfrage nicht.

Unter die Lupe genommen wurden Wirtschaftlichkeit und Transparenz der Organisationen. Da Detailüberprüfungen in diesem Rahmen nicht möglich sind –  was wurde genau mit der Zehn-Euro-Spende von Frau Müller erreicht, war der Kaufpreis für die Orchideenwiese Musterdorf angemessen und geht es den Orchideen jetzt besser? –, konzentrierte sich die Stiftung Warentest auf strukturelle Voraussetzungen und Abläufe sowie die Offenlegung der Arbeit seitens der Organisationen.

Der NABU landet im Mittelfeld

In dem am 22. November 2013 veröffentlichten Bericht der Zeitschrift „Test“ verpasste der NABU die sechsköpfige Spitzengruppe, im Gegensatz zu BUND, Greenpeace und WWF. Ein Platz im vorderen Mittelfeld kann den NABU trotz der Positiveinstufung als „wirtschaftlich arbeitende Organisation“ nicht zufriedenstellen. Deshalb gilt es hier näher zu analysieren und Verbesserungsmöglichkeiten zu finden.

Im Testergebnis wurde die Bewertung des ausführlichen Fragenkatalogs in lediglich zwei Kategorien zusammengefasst, nämlich „Transparenz“ und „Organisation und Kontrolle“. Dabei wurden Noten von „unzureichend“ über „niedrig“ und „mittel“ bis zu „hoch“ vergeben, wobei in punkto Transparenz  keine der getesteten Organisationen ein „hoch“ erreichte. Der NABU wurde bei Transparenz mit „niedrig“, bei Organisation und Kontrolle als „mittel“ eingestuft. Zu den Organisationen, die schlechter als der NABU eingestuft werden, gehören unter anderem die Heinz-Sielmann-Stiftung, Robin Wood, Rettet den Regenwald, IFAW, PETA, Vier Pfoten und das Vogelschutz-Komitee. Die Deutsche Umwelthilfe und WDCS liegen mit dem NABU gleichauf.

Lohnende Mitgliederwerbung

Aus dem Test geht nicht hervor, wodurch genau Mitbewerber wie BUND oder WWF gegenüber dem NABU punkten konnten und wie die Testantworten des NABU im Detail bewertet wurden. Im Begleittext ausdrücklich erwähnt ist lediglich, dass der NABU – allerdings ebenso der BUND – bei der sogenannten halbprofessionellen Mitgliederwerbung nicht die Höhe der Werbeprämie angibt. Das ist bei der Vielfalt der Werbemodelle auch nicht ohne weiteres möglich. Die Investition in eine einmalige Werbeprämie lohnt sich jedenfalls, bedenkt man, dass so geworbene Mitglieder im Schnitt 13 Jahre beim NABU bleiben und diese nicht nur Beitragszahler sind, sondern oft auch zu aktiven Naturschützern werden.

Leider ohne aufzuführen, mit welcher Gewichtung sie in die Gesamtnote eingingen und wie die Organisationen dabei im Einzelnen abschnitten, nennt die Zeitschrift unter „So haben wir getestet“ eine Reihe von geprüften Faktoren. Hier eine kurze Aufstellung, wie sich diese Punkte aus NABU-Sicht darstellen:

  • Werbung und Verwaltung machen unter 35 Prozent der Gesamtausgaben aus: Für den NABU keine Hürde. Laut aktuellem Jahresbericht betragen die allgemeinen Verwaltungskosten des NABU-Bundesverbands 3,3 Prozent, weitere 9,75 Prozent werden für Mitgliederwerbung, -betreuung und -verwaltung verwendet. Summa summarum also 13,05 Prozent der Ausgaben.
  • Jahresbericht  mit konkreter Einnahmen- und Ausgabennennung: Der NABU-Jahresbericht enthält sowohl eine Ausgaben-Einnahmen-Rechnung wie auch eine Bilanz und eine Gewinn- und Verlustrechnung.
  • Mitglieder der Leitungsorgane im Jahresbericht genannt: Natürlich werden alle Präsidiumsmitglieder aufgeführt, auf der NABU-Homepage sind sie auch noch etwas ausführlicher porträtiert.
  • Information über Struktur und Bandbreite der Mitarbeitervergütungen: Ist beim NABU bisher nicht üblich. Die interne Kontrolle der Vergütungshöhen erfolgt über den Finanzausschuss. Dieser überprüft die Verhältnismäßigkeit der Gehälter einschließlich der leitenden Angestellten und des Präsidenten.
  • Unterzeichner von Verhaltenskodizes oder einer Transparenzinitiative: Der NABU hat sich im Rahmen der Initiative Transparente Zivilgesellschaft verpflichtet. Die entsprechenden Angaben finden sich unter www.nabu.de/transparenz.
  • Eindeutige Leitung, die den Vorgaben der Satzung entspricht: Trifft zu.
  • Aufsichtsorgan bestimmt und entlastet Leitungsmitglieder und Rechnungsprüfer: Die Delegierten der Bundesvertreterversammlung wählen und entlasten das Präsidium. Sie wählen außerdem den Finanzausschuss und nehmen dessen jährlichen Bericht zur Prüfung der ordnungsgemäßen Wirtschaftsführung und zur Mittelverwendung (Kassenprüfung) entgegen. Der Finanzausschuss prüft den Wirtschaftsplan für das jeweils kommende Geschäftsjahr und berät das Präsidium in grundsätzlichen Fragen der wirtschaftlichen Geschäftsführung. Vor allem führt er die Kassenprüfung durch, prüft dabei die satzungsgemäßen Verwendung der Finanzmittel sowie die Einhaltung des Gemeinnützigkeitsrechts.
  • Satzungsänderungen durch das Aufsichtsorgan per Zweidrittelmehrheit: Trifft zu.
  • Spender könnte stimmberechtigtes Mitglied werden: Gerne jederzeit, aber nicht kraft Spende als „Mitglied light“, sondern durch Abschluss einer Mitgliedschaft als vertieftes Bekenntnis zum NABU und seinen Zielen.
  • Widerrufsrecht und später jederzeit aussprechbare Kündigungsmöglichkeit: Trifft zu.
  • Vier-Augen-Prinzip für Leitungsmitglieder und Geschäftsführung: Gilt beim NABU laut Präsidiums-Geschäftsordnung für Rechtsgeschäfte mit finanziellen Folgen von mehr als 7500 Euro.
  • Reisekostenrichtlinie beschränkt Bahnfahrten auf zweite Klasse und Flüge auf Economy Class: Trifft zu, es kann aber begründete Ausnahmegenehmigungen geben. Flüge sind laut den Umweltleitlinien des NABU-Bundesverbandes grundsätzlich erst ab 600 Kilometern zulässig.
  • Beschaffungsordnung und Vergaberichtlinie zur Korruptionsvorsorge: Die NABU-Leitlinien regeln das Beschaffungswesen lediglich unter Umweltgesichtspunkten.
  • Finanzprüfung durch Wirtschaftsprüfer: Trifft zu und wird jeweils im Jahresbericht veröffentlicht.

Vom konkreten Naturschutz bis hin zum Politik-Lobbying leistet der NABU gute und erfolgreiche Arbeit. Davon gilt es immer wieder Andere zu überzeugen. Das Thema Transparenz hat daher beim NABU in den letzten Jahren stets an Bedeutung gewonnen. Nur wenige Organisationen haben wie der NABU ein vom höchsten Organ der Organisation (Bundesvertreterversammlung) gewähltes und von der Leitungsebene vollständig unabhängiges Gremium (Finanzausschuss), das die Finanzen des Vereins zusätzlich zu einer akkreditierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft prüft, von der Mittelverwendung bis zur Verhältnismäßigkeit von Gehältern der Mitarbeiter. Auch der Beitritt zur Initiative Transparente Zivilgesellschaft und die anhaltende Weiterentwicklung der „Ordnung zur verantwortungsbewussten Führung, Steuerung und Regelung der Arbeit des NABU“ sind Ausflüsse dieser Entwicklung.

Insofern nehmen wir den aktuellen Vergleichstest als Ansporn, uns weiter zu verbessern. Der NABU wird an die Stiftung Warentest herantreten, um über die veröffentliche, sehr stark zusammengefasste Bewertung hinaus Anstöße zur Optimierung von Abläufen und zu noch mehr Transparenz zu erhalten.