Krötenschutz per Facebook organisieren

Das Projekt „Naturtäter“ soll der Überalterung im Naturschutz entgegenwirken

"Naturtäter" bei Facebook - Foto: Screenshot/NABU Sachsen

21. Februar 2014 - Die Kröten stehen schon in den Startlöchern. Jeden Tag könnte angesichts des milden Wetters die Amphibienwanderung beginnen. Der NABU will dafür sorgen, dass die Tiere einen möglichst sicheren Weg zu ihren Laichgewässern haben. Doch dafür braucht der NABU freiwillige Helfer, die über die Brennpunkte der Amphibienwanderung informiert werden müssen. Von jetzt an können sich diese über soziale Netzwerke austauschen. Informationen kommen vom NABU Sachsen mittels Facebook, Twitter und Co.

 

Möglich macht es das Pilotprojekt „Naturtäter“. Der NABU Sachsen, das sächsische Umweltministerium und die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) arbeiten hier zusammen. Von nun an sollen auch Smartphone und GPS-Geräte zum Handwerkszeug der Naturschützer gehören. Auf diese Art sollen vor allem junge Menschen für ein freiwilliges, ehrenamtliches Engagement im sächsischen Naturschutz begeistert werden. „Naturschutz macht Spaß, mitmachen lohnt sich“, sagte Umweltminister Kupfer. „Das werden wir in diesem Jahr gemeinsam mit dem NABU und der LaNU bei mehreren Aktionen deutlich machen, zu denen wir über die sozialen Netzwerke aufrufen. Junge Mitstreiter erreichen wir am ehesten hier, wo sie sich häufig aufhalten.“

 

Der NABU plant dafür in diesem Jahr mehrere Hilfsaktionen für Amphibien, so Landesvorsitzender Bernd Heinitz, an denen sich vor allem junge Leute zwischen 16 und 25 Jahren, aber auch Jüngere und Ältere unkompliziert beteiligen können. „Bisher werben Naturschutzorganisationen vorwiegend auf traditionellen Wegen für ihre Arbeit. Mit dem Projekt ,Naturtäter‘ wollen wir verstärkt moderne Medien und soziale Netzwerke nutzen, um Menschen anzusprechen und zu motivieren, etwas für den Natur- und Artenschutz zu tun.“

 

Die Amphibien-Hilfsaktionen im Projekt „Naturtäter“ werden vorwiegend in den Regionen Dresden, Leipzig und Freiberg stattfinden. Ansprechpartner und Organisatoren vor Ort sind die Naturschutzjugend NAJU Dresden, der NABU-Regionalverband Leipzig sowie der NABU-Kreisverband Freiberg. Als Onlineplattformen stehen zum Projektstart die Internetseite www.Naturtäter.de sowie eine Facebook-Fanseite und der Kurznachrichtendienst Twitter zur Verfügung.

 

 

"Naturtäter"-Aktion - Foto: Uwe Schroeder


Im Verlauf des Projektes ist geplant, Termine und Arbeitseinsätze über diese Plattformen zu organisieren, außerdem können sich die freiwilligen Helfer mit eigenen Posts, Kommentaren, Tweets, Fotos und Videos beteiligen. Zudem sind Wettbewerbe geplant, wie „Wer kreiert das beste Amphibien-Warnschild“ oder „Wer dreht das beste Aktionsvideo“, wobei die gelungensten Beiträge mit Preisen prämiert werden.

Darüber hinaus erhoffen sich die Projektpartner auch einen konkreten Gewinn für den Artenschutz und eine bessere Information und Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Außerdem soll erreicht werden, dass sich einige der freiwilligen Helfer auch in Zukunft in sächsischen Naturschutzprojekten ehrenamtlich engagieren. Mithilfe von Fragebögen und Onlineumfragen sollen Verlauf und Erfolg der Initiative überprüft werden. Die Ergebnisse werden dann auch anderen Trägern des ehrenamtlichen Naturschutzes sowie des Naturschutzdienstes zur Verfügung gestellt.

Zum Hintergrund:

In den derzeit sieben nach Sächsischem Naturschutzgesetz anerkannten Naturschutzvereinigungen sind insgesamt 44 000 Mitglieder organisiert. Im NABU Sachsen sind fast 100 Gruppen aktiv.

 

Die rund 1100 Mitglieder des ehrenamtlichen (staatlichen) Naturschutzdienstes sind im Durchschnitt 60 Jahre alt, und fast die Hälfte hat das Rentenalter bereits erreicht. Durchschnittlich engagieren sie sich seit 26 Jahren als Naturschutzhelfer – so die Ergebnisse der Ehrenamtsstudie aus dem Jahr 2012. Die Zahl junger Naturschutzhelfer unter 30 Jahren hat erheblich abgenommen. Dadurch sind auf Dauer wesentliche Funktionen des Ehrenamtes im Naturschutz (zum Beispiel im Monitoring und fachliche Stellungnahmen), die für den Naturschutz in Sachsen essentiell sind, in Frage gestellt.

 

Das Umweltministerium unterstützt die über ein Jahr laufende Kampagne des NABU mit Zuschüssen für notwendige Personal- und Sachaufwendungen für die Begleitung des Amphibienschutzprojektes in den sozialen Medien sowie für die Nutzung moderner Informationstechnologien bei der Projektdurchführung.