NABU nimmt Abschied von Dieter Rockenbauch

Der NABU Baden-Württemberg nimmt Abschied von einem seiner aktivsten Weggefährten und langjährigen Vorsitzenden des NABU Geislingen: Dieter Rockenbauch ist unerwartet im Alter von 82 Jahren in seinem Heimatort gestorben. In Anerkennung und Dankbarkeit seines außerordentlichen Engagements für den Naturschutz erinnert der NABU an einen guten Freund und beharrlichen Naturschützer. Rockenbauch hat sein Leben dem Vogel- und vor allem dem Wanderfalkenschutz verschrieben. Für seine herausragende Lebensleistung um den Natur-, Vogel- und Artenschutz wurde er 1999 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Eine Anerkennung, die der Geislinger wahrlich verdient hatte.

Besonders beharrlich hat sich Dieter Rockenbauch für den Schutz der einst vom Aussterben bedrohten Wanderfalken eingesetzt. Schon in jungen Jahren erforschte er die Lebensweise des Mäusebussards und verfasste darüber eine grundlegende Veröffentlichung. Die wissenschaftliche Vogelberingung wurde zu seiner Leidenschaft. 1956 begann er, Vögel zu beringen und trat sechs Jahre später dem NABU, damals Deutscher Bund für Vogelschutz (DBV), bei. Als Vorsitzender der Ortsgruppe Geislingen, der er 42 Jahre lang bis 2004 vorstand, nahm er den Vogel- und Artenschutz selbst aktiv in die Hand. Mit Leidenschaft, Wissen und Tatendrang hat sich der Ornithologe tief in die Lebensweise der Wanderfalken und ihres Schutzes in Theorie und vor allem Praxis eingearbeitet. Im Laufe der Jahre hat er für die Vogelwarte Radolfzell mehr als 30.000 Vögel, darunter über 10.000 Greifvögel beringt. Kein Fels war ihm dafür zu steil, kein Baum zu hoch und selbst im eigenen Garten wurden Fangnetze montiert. In den 1990er Jahren überzeugten er und die 1965 in Ludwigsburg gegründete AG Wanderfalkenschutz den damaligen Innenminister von der Notwendigkeit eines umfassenden Wanderfalkenschutzes, um diese Art vor dem Aussterben zu retten. In Göppingen erfasste er Mauersegler und wies nach, dass mancher Vogel 13 Jahre lang im Frühjahr aus Südafrika in seinen Heimatnistkasten nach Göppingen zurückgekehrt ist. Als aktiver Naturschutzwart kämpfte Rockenbauch für die Ausweisung des Naturschutzgebiets im Eybtal.
 
Dieter Rockenbauch war ein Vogelschützer, der akribisch dokumentierte und sein Wissen in Artikeln, Vorträgen und Büchern weitergab. So forschte er über Uhus und Mäusebussarde. Sein 550 Seiten umfassendes Werk „Der Wanderfalke in Deutschland und umliegenden Gebieten“ erschienen 1998 und 2002 in zwei Bänden und wurde zum Standardwerk für den Falkenschutz. Für seine Falkenforschung zeichneten ihn die Staufergesellschaften in Palermo, Jesi und Göppingen mit dem „Premio Frederichino“ aus. Vor kurzem verschickte er sein letztes Werk: „Die ersten 50 Jahre nach der Heimkehr des Uhus in Baden Württemberg“.

Eng verbunden war Dieter Rockenbauch mit dem Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart sowie besonders mit dem Naturkundlichen Museum in Jebenhausen, wo er von 1971 an die attraktive Vogelschau betreute und immer wieder Ideen- und Leihgeber für Sonderausstellungen des Museums war, wie zuletzt bei der Ausstellung „Der Uhu – König der Nacht“. Vergangenes Jahr konnte Rockenbauch einen großen Wunsch umsetzen: Das Museum „Alter Bau“ in seiner Heimatstadt Geislingen zeigte eine umfangreiche Ausstellung mit dem Titel „Unsere Vogelwelt“, in der er mit zirka 250 eigenen Vogel-Exponaten die Lebensräume der Tiere nachgestaltete und damit auch sein Lebenswerk präsentierte.

Ein reiches Forscherleben für und mit dem Naturschutz ging zu Ende. Der NABU blickt dankbar auf die gemeinsame Zeit mit Dieter Rockenbauch und dankt seiner Familie für die jahrelange Unterstützung seines ehrenamtlichen Engagements als NABU-Vorsitzender in Geislingen, aktiver Vogelfreund und Urgestein des Wanderfalken-Schutzes.

 

[September 2018]